Grazer Startup Barometer 2021

Die Startup-Szene in Graz zeigt sich nach dem Corona-Krisenjahr stärker denn je und beweist, dass sie ein wichtiger Faktor des Wirtschaftstandortes Graz ist. Das ist eines der Ergebnisse des Grazer Startup Barometer 2021. Die Initiative des studentischen Gründungsvereins Ideentriebwerk Graz, der Karl-Franzens-Universität Graz und der Gründungsgarage zeigt auf, dass die Gründungsvoraussetzungen am Wirtschaftsstandort Graz sehr gut sind – die Standortfaktoren verbessern sich konstant weiter.

 


TeilnehmerInnen

91

Bewertung Standort

5,25 (1 bis 7) 🔼

Bewertung Finanzierung

3,96 (1 bis 7) 🔼

Grazer Startup Barometer 2021

Der Grazer Startup Barometer ist die größte Befragung zu Startups und Unternehmertum am Wirtschaftsstandort Graz und fängt seit 2014 das Stimmungsbild der Grazer Startup-Szene ein. Im Zuge der repräsentativen Online-Umfrage gaben im Sommer 2021 91 TeilnehmerInnen – GründerInnen, Startup-Interessierte, MitarbeiterInnen von Startups, InvestorInnen und Startup-BeraterInnen aus dem Großraum Graz – ihre Meinung zum Gründungsstandort ab. Sie äußerten dabei ihr Feedback unter anderem zum vorhandenen Förder- und Beratungsangebot, zur Infrastruktur, zu den Auswirkungen der Corona-Krise oder dem MitarbeiterInnenpotenzial in Graz.

Bewertung des Gründungsstandortes Graz ist 2021 am höchsten Stand seit Befragungsbeginn 2014

Deutlich zeigt sich, dass sich der Gründungsstandort Graz nach dem Corona-Krisenjahr wieder im Aufwind befindet.

  • Der Standort im Allgemeinen wurde von den Befragten mit durchschnittlich 5,25 bewertet.
  • Dies ist der höchste Wert seit Befragungsbeginn 2014 (Skala von 1 bis 7):
    (2014: 3,94 / 2019: 5,21 / 2020: 5,10 / 2021: 5,25).

Beinahe alle Werte in der Bewertung der Gründungsfaktoren am Gründungsstandort Graz haben sich im Vergleich zu 2020 – nach einem „Krisen-Zwischentief“ – wieder deutlich verbessert. Zum Teil bilden die heurigen Werte die höchsten Werte seit Befragungsbeginn 2014. Nur die Faktoren, die sich auf Netzwerke und Vernetzung beziehen („Startup-Events“, „Vernetzung“), liegen leicht unter diesen Höchstwerten aus 2019, also vor den Einschränkungen durch die Corona-Krise.

  • Büro-Infrastruktur: 5,15 (war 2020: 4,80)
  • Startup-Events: 5,56 (war 2020: 5,31, war 2019: 5,60)
  • Beratungsangebot: 5,34 (war 2020: 4,99)
  • Förderungsangebot: 4,73 (war 2020: 4,55)
  • Vernetzung in der Gründer- und Startup-Szene: 5,49 (war 2020: 5,37, war 2019: 5,61)

Nur das Potenzial an qualifizierten MitarbeiterInnen wurde leicht schlechter bewertet im Vergleich zu 2020, wo dieser Faktor besonders gut bewertet wurde:

  • Potenzial an qualifizierten MitarbeiterInnen: 4,88 (war 2020: 4,95)

Auswirkungen der Corona-Krise: Startups reagieren rasch auf neue Situationen

Beachtenswert ist auch 2021 der Anteil der Startups, bei denen zwar ein starker Einfluss der Corona-Krise auf den Geschäftsverlauf sichtbar ist, aber dieser nur selten negativ ist (33%). Bei 67% ist eine gleichbleibende (36%) oder sogar positive Entwicklung (31%) des Geschäftsgangs festzustellen.

Die finanzielle Situation der Grazer Startups sieht 2021 besser aus als noch 2020:

  • 51% beurteilen sie als gut, 10% sogar als sehr gut. Somit betrachten 62% ihre finanzielle Situation tendenziell als sehr positiv (war 2020: 48%).
  • Nur 5% betrachten ihre finanzielle Situation als schlecht.
  • 40% der Startups haben Corona-Hilfen in Anspruch genommen, dabei war die Zufriedenheit in Leistungserbringung und Abwicklung gut (56%).

Grazer Startups reagieren schnell und flexibel auf neue Situation. Dies zeigt auch die Frage, wie viele Startups an konkreten Lösungen zur Bewältigung der gegenwärtigen Krise arbeiten. Zum Höhepunkt der Corona-Krise waren dies noch 45%, 2021 sind es hingegen nur noch 29%. Dennoch haben 13% dies noch in Zukunft geplant (war 2020: 19%).


Finanzierung: Die Bedingungen für Grazer Innovationen werden besser
  • Finanzierung aus eigenen Mitteln bleibt bei Startups aller Phasen in Graz dominierend und steigt im Vergleich zu 2020 weiter. Die eigenen Ersparnisse sind die erste Wahl bei Finanzierungen in der Frühphase (35% – jünger als 3 Jahre) als auch in der Wachstumsphase (23% – älter als 3 Jahre).
  • Finanzierung durch Eigenmittel ist generell bei Startups in der Frühphase dominierend (59% – inkl. Bootstrapping 14%, F&F 10%). Darauf folgen geförderte Finanzierung (18%), Business Angels (10%) und VC (8%). Bankkredite (4%) und Crowdfunding (2%) sind abgeschlagen.
  • Finanzierung durch Eigenmittel ist auch bei Startups in der Wachstumsphase dominierend (46% – inkl. Bootstrapping 15%, F&F 8%). Darauf folgen geförderte Finanzierung (21%), Business Angels (13%), Bankkredite (10%) und VC (6%). Crowdfunding (4%) ist abgeschlagen.
  • Der Anteil von externen Finanzierungen in der Frühphase, im Speziellen Business Angel-Finanzierungen, ist hoch (41%). Der Anteil von externen Finanzierungen in der Wachstumsphase liegt bei 54%.
  • Nach wie vor werden für Gründungsprojekte hauptsächlich Summen unter 50.000 Euro aufgestellt (21%), dieser Wert sinkt aber ab (war 2020: 29%). Finanzierungen über 500.000 Euro steigen (21%), 8% sind sogar über 1 Million Euro. 31% haben bisher keine Finanzierung durch externes Kapital erhalten.
  • Projekte in der Frühphase konnten größtenteils Finanzierungssummen bis zu 500.000 Euro aufstellen (57%), wobei dieser Wert sich jährlich verringert. Die Finanzierungen über 500.000 Euro stiegen dafür an (10%).
  • In der Wachstumsphase (3+ Jahre) konnten 38% der Startups Summen ab 500.000 Euro aufstellen, 19% sogar über 1 Million Euro.

Startup-Wachstum aus der Krise heraus

Grazer Startups fokussieren sich 2021 auf schnelles Wachstum, wenngleich moderates Wachstum wichtiger wird. Sie gehen somit positiv in die Zukunft

  • 51% möchten ihren Umsatz in den nächsten drei Jahren mindestens verdoppeln (war 2020: 62%)
  • 41% hingegen möchten moderat wachsen, also zwischen 50% und 100% des Umsatzes zulegen (war 2020: 21%)
  • Insgesamt planen 62% der Startups eine Finanzierungsrunde in den nächsten 12 Monaten.

Derzeit beschäftigen die befragten Startups im Schnitt 6,92 MitarbeiterInnen. 60% der MitarbeiterInnen sind dabei vollzeitbeschäftigt. Und sie möchten weiter wachsen: Durchschnittlich werden in den nächsten 12 Monaten weitere 3,66 MA pro Startup neu eingestellt. Im Vergleich zu 2020 fällt der Zuwachs wesentlich höher aus (2,49 MA).

  • 31% stellen eine zusätzliche Person ein, 23% zwei Personen (war 2020: 43% bzw. 21%).
  • Startups in Graz möchten noch mehr Personen einstellen: 32% für 5+ MA-Zuwachs (war 2020: 13%).

Zusammenfassung der Ergebnisse

Die Startup-Szene in Graz zeigt sich nach dem Corona-Krisenjahr stärker denn je und beweist, dass sie ein wichtiger Faktor des Wirtschaftstandortes Graz ist. Die Gründungsvoraussetzungen am Wirtschaftsstandort Graz sind sehr gut, die Standortfaktoren verbessern sich weiter.

Besonders an Graz werden die lebendige GründerInnen-Community, die hohe Qualität der Universitäten, Hochschulen & Forschungseinrichtungen sowie das umfangreiche Beratungs- und Unterstützungsangebot geschätzt. Potenziale zur Verbesserung des Standortes Graz liegen besonders im verhältnismäßig geringen Risikokapital am Standort, der internationalen Vernetzung und der Sichtbarkeit als Gründerstadt.


Weitere spannende Fakten zu Grazer Startups
  • 58% der Befragten sind zwischen 26 und 35 Jahre alt. Die große Mehrheit der Befragten (88%) besitzt akademische Bildung.
  • Die Selbstverwirklichung (36%) und die geniale Idee (31%) sind die wesentlichen Treiber für Unternehmensgründungen.
  • Am häufigsten werden Startups zu zweit gegründet (44%). 26% der befragten Personen waren Solo-GründerInnen. Die Startup-Teams wachsen nach der Gründung zudem stark. Zum Befragungszeitpunkt bestanden 46% der Startup-Teams bereits aus fünf oder mehr MitarbeiterInnen.
  • Nach wie vor verbesserungswürdig ist der Anteil an Frauen in Gründungen: Noch sind 44% der Startup-Teams zum Zeitpunkt der Gründung rein männlich. Dieser Wert hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozentpunkte verringert und somit die Frauenquote verbessert.
  • Betrachtet man die Grazer Startup-Szene hinsichtlich der Branchenverteilung, so ist ein Großteil der befragten Startup-Teams den Branchen IT & Softwareentwicklung (33%), Dienstleistung (13%), (Online-)Handel (13%), Life Sciences (BioTech, HealthTech) (10%) und Energie & Mobilität (8%) zuzuordnen.
  • Für 36% der befragten Startups ist eine Mitarbeiterbeteiligung derzeit kein Thema. Für 28% wäre eine Mitarbeiterbeteiligung zwar denkbar, aber rechtlich zu kompliziert. Nur bei 13% ist eine Mitarbeiterbeteiligung bereits umgesetzt.

Grazer Startup Barometer 2021

Partner

Der Grazer Startup Barometer 2021 wurde durchgeführt in Kooperation von:

Nach dem von leichter Unsicherheit geprägten 2020 spürt und sieht man heuer den Optimismus bei den Startups. Dieser Optimismus muss jetzt auch von deutlichen Anstrengungen seitens der Politik unterstützt werden.

Mag. Bernhard Weber
Geschäftsführer Unicorn Startup & Innovation Hub, Universität Graz

Der Grazer Startup Barometer 2021 zeigt einmal mehr, wie resilient Startups durch die Zeit der Pandemie kommen. Dieses Feuer in der DNA von Startups gilt es weiter zu tragen. Es braucht mehr politischen Support auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene, um österreichische Startups international wettbewerbsfähig zu bekommen.

Dr. Matthias Ruhri
Präsident Gründungsgarage | Co-Founder & Managing Partner Probando

Es ist erfreulich, dass die heimische Gründerszene positiv in die Zukunft sieht. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass typische Eigenschaften von GründerInnen, wie beispielsweise Verantwortung zu übernehmen, nicht nur im unternehmerischen Kontext wichtige Faktoren sind.

Dr. Remo Taferner
Entrepreneurship & Startups @ Zentrum für Entrepreneurship der Universität Graz

Startups haben in der Krise innovative Ansätze gefunden, um durch unternehmerisches Handeln Probleme zu lösen. Ob Corona-Krise oder nicht – die Grazer Startups zeigen, dass in einer Welt der Digitalisierung und neuen Geschäftsmodelle neue Ideen und schnelle Anpassungsfähigkeit gefragt sind.

Werner Sammer, BSc. MSc.
Co-Founder Ideentriebwerk Graz | Project Lead Grazer Startup Barometer
Grazer Startup Barometer 2021
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